Texte im Recruiting – Besser eine ehrliche Graugans als ein falscher Paradiesvogel

Hans Ulrich WürthFast ein Viertel Ihres Budgets investieren Sie als Personalmanager in die Personalauswahl. Jeder Fünfte, der eingestellt wird, scheitert. Fehlt es an den fachlichen Qualitäten? Eher selten. Wenn es schief geht, liegt es meistens daran, dass die oder der Neue nicht zur Unternehmenskultur passen. Kosten und Ärger sind die messbaren Folgen. Beides vermeiden Sie, wenn Sie Ihre Stellenanzeige exakt an die Interessenten adressieren, die nicht nur mit ihrem fachlichen Können, sondern auch mit ihrer ‚Personality‘ zu Ihrem Unternehmen passen.

Beim Text sollten Sie dabei beachten:

  • Fokussieren Sie das vorhandene (oder angestrebte) Unternehmensimage.
  • Zeigen Sie Ihre Schokoladenseiten. Aber übertreiben Sie nicht – zu viel Schokolade ist ungesund.
  • Kommunizieren Sie nicht nur mit den Hardfacts, sondern vor allem in der Tonality, was den Markenkern, den Stil und das spezifisch Besondere Ihres Unternehmens ausmacht.
  • Zielen Sie gleichermaßen auf den Verstand und die Gefühle Ihrer Zielgruppe. Wer das Herz nicht gewinnt, wird letztlich auch den Verstand nicht überzeugen.
  • Geben Sie klare, wahre und aussagestarke Informationen zum Profil der ausgeschriebenen Position, zu den Aufgaben und zur geforderten Qualifikation. Die Soft Skills sind nicht minder wichtig als die Qualifikation. Ein guter Controller, sollten Sie den suchen, weiß im Prinzip sowieso, was Sie von ihm fachlich erwarten. Doch dass das allein nicht genügt, das sollten Sie wissen …
  • Zeichnen Sie realistische Perspektiven auf. Menschen brauchen erstrebenswerte Ziele, um wirklich gut sein zu können.
  • Nennen Sie Konditionen, Rahmenbedingungen und Benefits klar und wahr. Ein schwammiges ‚Sie werden zufrieden sein‘ geht bestenfalls dann, wenn Sie das vorab durch die Aufzählung entsprechender Fakten untermauert haben … In Österreich wird das Einkommen offen genannt – gut so. In Deutschland ist das nach wie vor ein meist wohl gehütetes Geheimnis. Schade!
  • Bitte kein Selbstbetrug, wenn es um Klima & Co. in Ihrem Unternehmen geht. Es ist nicht nur unwahr, sondern vor allem kontraproduktiv von einem kooperativen Führungsstil zu sprechen, wenn es im betrieblichen Alltag eher zugeht wie auf dem Kasernenhof.

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StelleninseratWas macht Recruitingtexte erfolgreich?

Ganz einfach, das ist erstens, zweitens und drittens Ihr Briefing. Dieses sollte a) realistisch sein b) spezifisch auf die ausgeschriebene Position eingehen c) die Persönlichkeit Ihres Unternehmens zum Ausdruck bringen. Ein gutes Briefing macht Arbeit – aber, der Aufwand lohnt sich. Gute Briefings bewirken gute Texte. Ohne vernünftigen Input kein überzeugender Output. Doch bitte, bleiben Sie selbstkritisch. Ihr Texter setzt um, was Sie vorgeben. Füttern Sie ihn im Briefing mit falschen oder unendlich geschönten Vorgaben, sind Sie es, der irgendwann die Bauchschmerzen hat. Es ist nun mal Realität: Nicht jeder IT-Laden – um es an diesem Beispiel zu bringen – ist gleich so hipp wie Apple. Nicht jeder ordentliche Durchschnittsjob in einem ordentlichen Durchschnittsunternehmen löst ein Job-Feeling aus, das zwischen purer Lust und Gänsehaut liegt.

Text kann viel in Szene und sowieso das Kopfkino in Gang setzen. Doch das ist die andere Seite der Medaille: Lassen Sie Ihr Unternehmen in schwindelerregende Höhen hochschreiben, obwohl Sie sich in der Realität eher in den Niederungen des Alltags bewegen, stürzen Sie auch ziemlich schnell tief ab.

Professioneller Text macht sich umgehend bezahlt.

Auf punktgenau, sympathisch und dialogorientiert aufgebaute Stellenanzeigen erhalten Sie qualitativ hochwertigere Bewerbungen als auf Anzeigen, die allein auf bekannt austauschbaren Floskeln bestehen. Machen Sie glaubwürdig klar, was das Besondere und vielleicht sogar das Einzigartige an Ihnen als Arbeitgeber ist, dann wird sogar eine 08/15-Position ein Stück ‚sexy‘. Und es bewerben sich die, die wirklich zu Ihnen passen. Sind Sie kein echter Paradiesvogel, verkaufen Sie sich als ehrliche Graugans besser.

„Karriere“, „Zukunft“, „… bei uns ist alles machbar“, „ein Super-Team“ …

und im Job gibt es nichts „als spannende neue Herausforderungen, die weiter bringen“ und „einen Chef, der beinhart hinter einem steht“ – so und ähnlich liest es sich nach wie vor in vielen Stellenanzeigen für Fach- und Führungskräfte. Diese Begriffe sind gut und schön und auch nicht unbedingt falsch – nur, sie sind halt durch und durch inflationiert und abgekrabbelt. Doch weil sie auch manchmal unverzichtbar sind – das Rad ist nun schon einmal erfunden – kommt es auf das ‚Wie‘ der textlichen Inszenierung an. Und auf Glaubwürdigkeit im gesamten Kontext, damit auch satt6sam bekannte Phrasen wieder mit neuer Glaubwürdigkeit aufgeladen werden.

Trotz aller oft gut und fast immer teuer gemachten Employer-Branding-Orgien: Am Ende des Tages zählt nicht Klimbim, sondern Substanz.

Professioneller Text zaubert keine neue Wirklichkeit, sondern fokussiert das, was die Seele Ihres Unternehmens ausmacht. Die Themen und Inhalte, die Ihr Profil als attraktiver Arbeitgeber formen, und die im Fortgang die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter begründen, kommen aus Ihrem Unternehmen selbst. Allerdings können Sie das Finish von echter Substanz mit einem kreativ-klugen Wording nachhaltig veredeln.

Identifizieren Sie die Potenziale, die Ihr Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv machen.

Versetzen Sie sich dazu am besten ‚in die Mitarbeiter, die sie gewinnen wollen‘. Was ist denn für diese Menschen – attraktiv? Für den einen mag es die Chance auf eine internationale Karriere sein. Für die junge Mutter mit gleicher Qualifikation sind es vielleicht gleitende Arbeitszeiten oder ein Betriebskindergarten, weil sie damit Kind und Karriere vereinbaren kann. Ist Ihr Unternehmen bekannt wie Coca Cola & Co. – wie schön für Sie, dann ist bereits der Name die Message. Als ganz normaler Mittelständler hingegen sollten Sie Bodenhaftung bewahren und auch im Text Ihrer Personalanzeigen mit dem geerdet bleiben, was die Menschen berührt, die Sie als Mitarbeiter gewinnen wollen.

Sag’, wer Du bist, sag’, was tu tust, sag‘, was Du von Deinen Mitarbeitern erwartest und was diese von Dir erwarten können. Sag es klar und wahr – und tu, was Du gesagt hast.

Das – vor allem – macht Sie auf Dauer zu einem attraktiven Arbeitgeber.

© Hans Ulrich Würth, Braunschweig

Autor: Hans Ulrich Würth ist Marketingspezialist in Braunschweig und arbeitet als freier Texter. Arbeitsschwerpunkte sind das Dialog- und das Personalmarketing. Im Personalmarketing textet der Autor vor allem im Agenturauftrag für Klienten aus unterschiedlichsten Branchen. Vom Hidden Champion über den klassischen Mittelstand bis hin zum Global Player.

2 Kommentare

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  2. Sehr guter Beitrag. Vor allem aussagestarke Informationen zum Profil und Glaubwürdigkeit sind wichtig. Ergänzend gibt auch unser Blog-Beitrag „22 Ideen und Grundsätze für spannende und erfolgreiche Stellenanzeigen“ einige Tipps: http://www.hrpraxis.ch/2013/08/22-ideen-und-grundsatze-fur-spannende.html

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