TRM – Managen Sie noch Talente oder bereits Beziehungen?

Knoten, BR: sxc.huDie Besten zu entdecken und sie ins Team zu holen, reicht am heutigen Arbeitsmarkt nicht mehr. Einzigartige Talente sollen an das Unternehmen gebunden werden. Hier kommt das so genannte Talent Relationship Management (TRM) ins Spiel. Als Weiterentwicklung des Talent Management soll der komplette Prozess der Kommunikation optimiert werden und das sowohl intern als auch extern.

In vielen Beiträgen zum Talent Relationship Management wird eine Verbindung zum Vertrieb hergestellt. Es handelt sich im Prinzip nämlich um nichts anderes als Customer Relationship Management, nur dass die Akteure dabei ausgetauscht werden. Statt Kunden anzusprechen und sie in Stammkunden zu verwandeln, sind es potentielle Arbeitnehmer als auch bereits eingestellte Mitarbeiter, welche man nicht verlieren will und die am besten zu „Stammarbeitern“ – also Personal auf längere Zeit – umgewandelt werden sollen.

Eine feste Bindung mit den Arbeitnehmern zu erreichen, ist für Unternehmen ein zeitaufwendige Tätigkeit und umfasst einen langen Prozess, angefangen beim ersten Kontakt mit Bewerbern bis hin zur Kommunikation mit allen Mitarbeitern. Um diese Bandbreite zu gliedern, unterscheidet man zwei Arten von TRM:

Internes TRM: Maßnahmen des internen TRM richten sich an die Gesamtheit aller Mitarbeiter. Das Unternehmen soll sich ihnen attraktiv präsentieren, Benefits bereitstellen und sie in der Karriereplanung unterstützen. Das bedeutet unter anderem auch Zugeständnisse von Seiten der Führung zu machen. Auch wenn ein Angestellter seine Arbeit zur vollsten Zufriedenheit erledigt und das Management sich keinen besseren in dieser Position vorstellen könnte, sollte man deren Entwicklung unterstützen. Langweilt sich ein Arbeitnehmer, wird er sich über kurz oder lang nach Alternativen umsehen. Am besten also, die Möglichkeit einer neuen Herausforderung tut sich im eigenen Unternehmen auf. So verhindert man es wertvolle Talente zu verlieren.

Ziele präsentieren sich uns im Arbeitsalltag in allen Bereichen. Für gewöhnlich hat jeder einzelne seine persönlichen Mitarbeiterziele. Das ist auch gut so. Allerdings sollten diese Planungen auch im größeren Rahmen erfolgen, beispielsweise bei Teams oder ganzen Unternehmen. Wird am Jahresende eine bestimmte Messgröße erreicht, bekommt jeder Beteiligte seinen Anteil. Das spornt nicht nur an, sondern verbindet alle mit dem Unternehmen und stärkt die Gemeinschaft.

Externes TRM: Es funktioniert ähnlich wie das interne TRM, allerdings wird hier mit nicht mehr bzw. noch nicht aktiven Mitarbeitern kommuniziert. Bei ehemaligen Mitarbeitern ist die Beziehungspflege vergleichsweise einfacher als bei neuen Kandidaten. Durch die noch nicht vorhandene Verbindung mit zukünftigen Mitarbeitern müssen alle verfügbaren Kanäle und Medien dafür herangezogen werden.

Junge Talente und Absolventen sind für viele Branchen besonders von Interesse. Man sollte daher man nicht die Chance verpassen sich in Schulen und auf Bildungsmessen zu präsentieren und in weiterer Folge Schnuppertage und Praktika anzubieten.

Social Media und TRM

In Zusammenhang mit externem TRM wird vor allem Social Media immer wieder erwähnt. Allerdings ist eine Präsentation nicht so einfach, wie eine Studie von Intra Worlds aus dem Jahr 2010 zeigt. Auf die Frage hin, ob man dem ehemaligen Arbeitgeber sein Social Media Profil freischalten würde – etwa durch das Akzeptieren einer Freundschaftsanfrage auf Facebook oder durch Hinzufügen auf Google+ – war der Großteil skeptisch. Ein Viertel kann es sich gar nicht vorstellen, ein weiteres Viertel nur mit sehr limitierten Inhalten und weitere 23 Prozent würden ebenfalls für eine teilweise Einschränkung ihrer persönlichen Details nachdenken. Ohne Bedenken würden nur 8 Prozent den Chef oder dessen Unternehmensprofil zum eigenen (Freundes)kreis hinzufügen.

Kann der Kontakt also nicht über die Sozialen Netzwerke erfolgen, muss eine Alternative gefunden werden. Viele Unternehmen verfügen daher bereits über Talent Communities. Diese eigens eingerichteten Netzwerke stehen für sich und verhindern eine Vermischung von Privatem und Beruflichem. Bei der Umfrage von Intraworld wurde auch eine Bereitschaft zur Teilnahme an solchen Communities abgefragt. Egal welche Studienrichtungen bzw. Ausbildungszweige absolviert wurden, quer durch alle Bereiche würden rund 64 Prozent aller Befragten dieses Angebot nutzen. Talent Communities können eine umfassende Informationsleistung erfüllen. Sie erleichtern die Kontaktpflege, liefern aktuelle News zum Unternehmen, präsentieren passende Jobangebote und weisen auf kommende Veranstaltungen und Events hin.

Verbindung der Beziehungsmanagement-Systeme

Die Bigplayer im TRM schaffen es eine Verbindung zwischen internem und externem Beziehungsmanagement herzustellen. Mitarbeiter werden dazu beispielsweise in die Unternehmenspräsentation nach Außen einbezogen. Bei Stammtischen etwa informiert bestehendes Personal Interessenten über das Unternehmen und erklärt aus ihrer Sicht das Unternehmensklima, die Firmenphilosophie oder ihre Karriereentwicklung. Die Möglichkeit, dass Mitarbeiter andere Mitarbeiter für das Unternehmen vorschlagen, fällt in denselben Bereich. Denn auch hier macht jemand freiwillig Werbung und informiert einen Unabhängigen über verschiedene Vorzüge der Firma.

Und wie merkt man nun, dass TRM wirklich gut umgesetzt wird? Wenn die Kündigungsrate sinkt oder zahlreiche Mitarbeiter ein rundes Jubiläum in Sachen Unternehmenszugehörigkeit feiern können? Eine Messung stellt sich schwierig dar und kann am ehesten mit Umfragen unter Mitarbeiter erhoben werden.

In der heutigen Zeit darf man eines nicht vergessen: Jahrelange Zugehörigkeit eines Mitarbeiters zu einem Unternehmen ist die Ausnahme. Arbeitnehmer sammeln heute Erfahrung in den verschiedensten Jobs und gehen mehrere Karrierestationen durch. Beziehungsmanagement wird daher immer wichtiger. Der Kontakt zu den einzelnen Talenten soll nicht verloren gehen. Zwar nur in selten Fällen aber doch kommt es nämlich vor, dass ehemalige Mitarbeitern nach Jahren doch wieder einen interessanten Job im eigenen Unternehmen entdecken und sich erneut einstellen lassen.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel. Dass es einen Begriff für die Mitarbeiterbindung gibt, war mir so bisher noch gar nicht bewusst. Zur Messbarkeit fällt mir an der Stelle der Gallup Engagement Index ein, der jedes Jahr heraus kommt. Diese Studie schließt zwar mehrere Unternehmen ein, kann sicher aber auch auf einzelne Organisationen angewandt werden. Die Idee dahinter steckt, das Unternehmen in drei Kategorien der Mitarbeiterbindung einzuteilen: 1. hoche emotionale Bindung 2. geringe emotionale Bindung und 3. keine emotionale Bindung.

    Vielleicht so zur Inspiration :)

    VG Bianca Gade

  2. Danke für das Top-Posting! Ergänzend hierzu empfehle ich das Skillsoft Whitepaper in dem das Lernen in allen Talentmanagement-Phasen erläutert wird, Anforderung unter http://bit.ly/N1L4Nf. Viel Spass Beim Lesen

Einen Kommentar hinterlassen