Weiterbildung in Österreichs Unternehmen: Ein Aufwärtstrend

Die Qualifizierung von Mitarbeitern ist eine wichtige Investition in die Zukunft eines Unternehmens. Nicht nur fachliches Know How und zwischenmenschliche Fähigkeiten werden ausgebaut, sondern durch Personalentwicklung werden die Mitarbeiter auch an das Unternehmen gebunden. Der Wert von Schulungen wird nicht immer erkannt, eine Studie des Magazins personal manager in Kooperation mit dem Online Portal HRM zeigt aber, dass diese an Bedeutung gewinnen – auch in Österreich.

Im Mai und Juni 2011 wurden 665 Personalverantwortliche, aber auch Trainer und Geschäftsführer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz über ihre Einstellungen und Maßnahmen zur Mitarbeiterentwicklung befragt. Es hat sich gezeigt, dass die Aktivitäten im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind und 30 Prozent der Österreichischen Unternehmen ihre Investitionen in Weiterbildung auch zukünftig steigern möchten. Inhaltlich setzt man mehrheitlich auf fachliche Unterweisungen, aber auch Angebote zum Führungskräftetraining und zur Persönlichkeitsentwicklung erfreuen sich großer Beliebtheit, wie die Studie gezeigt hat.

Die Bildungsmöglichkeiten sind vielfältig. Nicht nur in ihrer Dauer, sondern auch in der Art, wie Inhalte vermittelt werden, unterscheiden sich die Angebote. Sehr beliebt ist das arbeitsplatznahe „Training on the Job“: Die Mitarbeiter werden in ihrer gewöhnlichen Arbeitssituation trainiert und verwenden das Equipment und die Dokumente, die sie auch im Arbeitsalltag benutzen. Die Arbeit wird während des Trainings fortgesetzt, es findet „learning by doing“ statt, allerdings unter Aufsicht.

Weiters dokumentiert die Studie einen Trend zum E-Learning. Die Maßnahmen in diesem Bereich sind um vier Prozent gestiegen. Beliebte Medien sind CDs, Lernspiele, Webinare und Podcasts. Die Vorteile des E-Learning liegen in der Reduktion der Fortbildungskosten und Abwesenheitszeiten. Außerdem handelt es sich zumeist um Lernen „on demand“, bei dem man sich die Lösungen je nach Problem organisieren kann. Damit der Face-to-Face-Kontakt nicht ganz ausbleibt, wird auch sogenanntes „Blended Learning“ eingesetzt: Präsenzeinheiten werden durch E-Learningmöglichkeiten ergänzt.

Betriebliche Bildungsarbeit evaluieren

Obwohl 27 Prozent der in der Studie befragten Unternehmen ihre Weiterbildungsmaßnahmen nicht evaluieren, ist das Bildungscontrolling ein wichtiger Bestandteil der Personalentwicklung. Während die Ausgaben leicht zu erfassen sind, ist es manchmal sehr schwierig festzustellen, welchen Nutzen Trainings und Seminare bringen. Gemessen werden kann dies durch Selbsteinschätzung der Mitarbeiter, Beurteilung der Führungskräfte und Lernergebnistests. Ein standardisiertes Controllinginstrument zur Nutzenanalyse ist noch nicht weit verbreitet.

Ebenso schwierig ist es für viele Unternehmen, den Bedarf an Bildungsmaßnahmen zu erheben. Es ist eine Frage der HR-Strategie zu erkennen, welche Art von Schulungen sinnvoll ist. Der Bildungsbedarf wird laut obengenannter Studie zu 85 Prozent durch Mitarbeitergespräche und zu 67 Prozent durch Bedarfseinschätzungen der Führungskräfte festgestellt. Weitere Möglichkeiten sind Bildungsbedarfsanalysen, Kompetenzmodelle und Development-Center.

Schwierigkeiten bereitet den meisten Unternehmen die Auswahl des richtigen Trainings. Es ist eine wichtige Frage, welche Trainer zum Unternehmen und zu den Mitarbeitern passen, allerdings wird auch immer auf das Preis-Leistungsverhältnis geachtet. Für Personalverantwortliche ist es schwierig, Methoden und Anbieter einzuschätzen. Daher werden Trainer vorzugsweise auf Grund von Empfehlungen anderer engagiert, aber auch Vorgespräche und Informationsmöglichkeiten bei Fachmessen erleichtern die Auswahl.

Trotz des Aufwärtstrends scheuen noch viele Unternehmen vor Bildungsmaßnahmen zurück. Gründe für die Vernachlässigung der Personalentwicklung sind Kosten, Zeitmangel sowie Fragen der Sinnhaftigkeit, des Mehrwerts und des Erfolgs. Häufig scheitert man auch an der Motivation der Mitarbeiter. Schließlich bringen die Investitionen nichts, wenn die Mitarbeiter nicht den entsprechenden Willen haben, etwas zu lernen.

Die Studie hat gezeigt, dass Kurse und Seminare sowohl während, als auch außerhalb der Arbeitszeit besucht werden. Da diese aber als Maßnahme für das Unternehmen zu betrachten sind, sollte man in Erwägung ziehen, den Mitarbeiter für die Dauer der Schulung freizustellen. 44 Prozent der befragten Unternehmen schickten ihre Angestellten während der Arbeitszeit auf Fortbildung. Ein beliebter werdendes Modell ist die Vergabe von Bildungsurlauben.

Die Qualifikation der Mitarbeiter ist eine der wichtigsten Ressourcen eines Unternehmens. Deshalb sollte sich das Personalmanagement gerade in Zeiten des Fachkräftemangels umfassend mit der Planung von Bildungsaktivitäten befassen. Ein weiterer Anreiz: Im Rahmen der Studie konnte zudem festgestellt werden, dass die Fördermöglichkeiten von Weiterbildungsmaßnahmen in Österreich – im Gegensatz zu den beiden anderen Ländern – weitaus vielfältiger sind.

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