Mitarbeiterzufriedenheit

Mitarbeiterzufriedenheit, Bildrechte: www.sxc.hu, GiniMiniGiWie zufrieden sind Arbeitnehmer in den unterschiedlichen Unternehmen und wie hoch ist die Zufriedenheit vor allem in dem eigenen? Vor Kurzem wurde der „Great Place to Work“-Award 2012 vergeben, der zeigt, wo es den Mitarbeitern besonders gut gefällt. Was versteht man aber unter dem Begriff „Arbeitnehmerzufriedenheit“ und wie kann ein Lächeln auf den Lippen konkret gemessen werden?

„Jedem vierten ist alles egal“, so lautet der Titel eines aktuellen Artikels in der Tageszeitung „Zeit“. Dieser bezieht sich auf eine Studie des Gallup-Instituts aus unserem deutschen Nachbarland. 25 Prozent der Befragten gaben zu, dass sie innerlich schon gekündigt haben und den täglichen Gang zur Arbeit nur mehr als Pflichtübung sehen. Nur 14 Prozent sagen mit Herz und Seele bei der Arbeit zu sein und ihren Job zu mögen. Was für den deutschen Markt erhoben wurde, wäre auch für Österreich und jedes einzelne Unternehmen interessant. Aber wie misst man diese Größe genau?

Arbeitnehmerzufriedenheit – Was ist das?
Ob ein Arbeitnehmer mit seinem Job zufrieden ist, hängt von x Faktoren ab. Es handelt sich hier um ein Zusammenspiel von verschiedenen Dingen: Eine große Verantwortung hat natürlich der Arbeitgeber, der durch Infrastruktur, Arbeitsplatz und Behandlung direkt darauf Einfluss nimmt. Dazu kommt dann jeweils die persönliche Situation jedes Einzelnen. Eine Studie ergab zum Beispiel, dass das Privatleben teilweise mehr Einfluss auf die Motivation hat als der Arbeitgeber selbst. Widerfährt einem etwas Negatives im Privatleben, können auch ein schöner Arbeitsplatz und nette Kollegen die Stimmung nicht heben.

Bei PwC in Deutschland arbeitet man mit einem innovativen Ansatz, der in Zusammenarbeit mit dem ISG Institut in St. Gallen (Schweiz) entwickelt wurde. Bei den so genannten “People Values” werden durch Befragungen und Tests einzelne Mitarbeiterprofile erstellt:

Typ 1: Findet Zufriedenheit in Arbeit und den Aufgaben.
Typ 2: Persönliche Entwicklungs- und Karrierechancen sind ihm wichtig.
Typ 3: Ist dann zufrieden, wenn er vom Vorgesetzten angemessen behandelt wird.
Typ 4: Das Verhältnis zu den Kollegen ist das wichtigste.
Typ 5: Der Mitarbeiter will stolz auf sein Unternehmen sein.

Natürlich treten in der Praxis vielfach Mischformen auf und Arbeitnehmer können meist nicht genau einem Typus zugeordnet werden. Trotzdem bietet sich dieses Schema als Wegweiser an. Schließlich ist eine Belegschaft sehr divers zusammengesetzt und besteht aus den unterschiedlichsten Individuen.

Wofür erheben?
Unternehmen sollten den Sinn der Erhebung der Arbeitnehmerzufriedenheit nicht unterschätzen. Viele HR-Instrumente sind darauf angelegt, dass man den Alltag für die Mitarbeiter bestmöglich gestaltet. Weiß man aber nicht genau über die Stimmung und die Probleme Bescheid, dann arbeitet man mit seinen Aktionen und Veranstaltungen dagegen. Gibt es beispielsweise Spannungen zwischen zwei Abteilungen, dann wird ein Teamtraining wohl besser passen als ein gemeinsamer Grillabend.

Dass glückliche und motivierte Mitarbeiter bereit sind, mehr zum Unternehmenserfolg beizutragen, bestätigten zahlreiche Studien. Wer weiß, wie man exzellent führt, erreicht eben auch, dass eine Überstunde nicht als solche wahrgenommen wird.

Woraus setzt sich Arbeitnehmerzufriedenheit genau zusammen?

  • Entlohnung
  • Arbeitsbedingungen
  • Möglichkeiten der Karriereentwicklung
  • Anerkennung/Lob
  • Arbeitskollegen
  • Führungsqualifikation
  • Tätigkeitsbereich
  • Selbstverwirklichung
  • Mitspracherecht
  • Verantwortung
  • Status in der Firma
  • Sicherheit
  • Arbeitgeberimage

Weiß man erst einmal über die Komplexität dieser Thematik Bescheid, bleibt aber die Frage, wie man sie am besten messen sollte?

In der Praxis werden häufig folgende vier Methoden eingesetzt:

Beobachtung: Mit Hilfe eines Beobachtunsbogen kann die HR-Abteilung ebenfalls versuchen die Zufriedenheit und die Stimmung zu erheben. Diese Methode ist aber umstritten, da die Zufriedenheit allgemein ein sehr subjektives Empfinden ist. Manche Arbeitnehmer zeigen ihre Stimmung stärker, während andere persönliche Probleme lieber mit sich selbst austragen. Es kann aber zumindest Anzeichen dafür geben, wo man mit einem Gespräch nachhacken sollte.

Befragung: Die häufigste durchgeführte Variante. In den Mitarbeitergesprächen versucht man Problemen auf den Zahn zu fühlen und nimmt Verbesserungsvorschläge der einzelnen Mitarbeiter auf. Sie sollten regelmäßig durchgeführt werden um auch auf dem neuesten Stand zu sein.

Blitzbefragungen: Indem man beispielsweise jedes Monat eine kurze E-Mail mit ein oder zwei Fragen aussendet, kann man die aktuelle Stimmung schnell und einfach einschätzen. Dies kann anonym erfolgen und ergibt ein allgemeines Stimmungsbild. Arbeitnehmer trauen sich dann vielleicht auch ehrlicher zu sein als im direkten Gespräch.

Produktivitätsanalyse: Bestimmte Parameter können ebenfalls als Hinweis für die Zufriedenheit herangezogen werden. Das sind beispielsweise Fehlzeiten oder Produktivität. Allerdings sollte diese Methode nie isoliert gesehen werden, sondern stets mit einer anderen kombiniert werden. Ansonsten gibt sie nämlich zu wenig Aufschluss.

3 Kommentare

  1. Vorsicht: Das Überraschende am Gallup Engagement Index war unter anderem, dass Zufriedenheit nicht gleich emotionale Bindung bedeutet. Während 92% der Befragten zufrieden mit ihrer Arbeit sind, sind trotzdem nur 14% (hoch) emotional ans Unternehmen gebunden. Darum halte ich es persönlich für wichtig, dass nicht nur an der Zufriedenheit “geschraubt” wird – denn sie sieht hauptsächlich äußere Anreize als Lösung vor. Wir müssen uns viel häufiger fragen, warum der Mensch motiviert ist (nicht wie man ihn motivieren kann) und ihm die nötigen Rahmenbedingungen geben die es ihm ermöglichen, Höchstleistungen zu erbringen – weil er es von sich aus will und nicht, weil es von ihm verlangt wird. Im Unternehemenskontext schwer, aber nicht unmöglich.

    Viele Grüße
    Bianca Gade

  2. Laut Gallup variiert der Prozentsatz der emotional gebundenen Mitarbeiter/innen nur geringfügig über die Jahrzehnte. Die Wichtigkeit der MA-Zufriedenheit müsste zudem klar definiert sein: wofür ist MA – Zufriedenheit gut und wo ist sie hinderlich?
    Für mich ergeben sich aus dem Engagement Index von gallup zwei Fragen:
    1.) Zeigen die herkömmlichen Führungskräfteschulungen keine/die falsche Wirkung und
    2.), würden Unternehmen überhaupt einen höheren Prozentsatz engagierter Mitarbeiter/ijnnen wollen bzw. intern im Karrieresystem verkraften?
    Meiner Meinung nach würde es bereits viel helfen, De-Motivation möglichst zu vermeiden und darauf zu vertrauen, dass MA von sich aus gute Leistung erbringen wollen.
    Eine Trennung (von welcher Seite auch immer) von uninteressierten MA ist ja wohl für beide Seiten möglich.
    Thomas Peneder

  3. Mitarbeiterzufriedenheit wird erst zum Thema, wenn sie fehlt. Sie fehlt dann offenbar, wenn der Krankenstand oder die ungeplante Fluktuation steigt. Dann werden viel zu spät Maßnahmen gesucht, die das Problem beseitigen.

    Mal ehrlich, wann hat Sie der Chef das letzte Mal bei Seite genommen und Sie mal um Rat gefragt , Ihnen ein ehrliches Kompliment gemacht oder Sie vielleicht sogar vor allen anderen aufrichtig gelobt? Das wäre doch toll, oder? Um zu erkennen, welche Bindungskräfte durch dieses Verhalten erzeugt werden, brauch ich keine Studien oder Listen. Zufriedenheit ist bei genügsamen Menschen nicht gleich Engagement, aber bei anspruchsvollen Jobs verlange ich das per Definition.

    Wir müssen aber auch erkennen, dass Mitarbeiterzufriedenheit nicht nur systembedingt runter geht, sondern es kann auch auf ein besonderes Event zurückgehen. Wenn z.B. der Chef von seinem Mitarbeiter verlangt, ihn gegenüber seinem Boss zu decken und mal ordentlich zu lügen. Oder – ein begnadeter Chauvi macht uns den “Stromberg”. (“Schockinduziertes Disengagement”)

    Es sind nach unserer Betrachtung genau drei Fragen, die zu einem (graduellen Absinken der Jobzufriedenheit (und Mitarbeiterbindung) führen.

    1) Ist diese Tätigkeit lohnend?
    a) unter finanziellen Aspekten
    b) unter sozialen Aspekten
    -> die Gewichtung setzt die persönliche Wertelandschaft (UND-Verknüpfung)

    2) Kann ich mich mit dem PRODUKT grundsätzlich identifizieren?

    3) Kann ich mich mit dem PROZESS identifizieren, in dem ich arbeite?

    Mehr Fragen gibt es nicht! Es gibt ein paar Substitutionswirkungen, wo sich jemand mit etwas arrangiert, weil etwas anderes gut ist – aber die persönlichen Werte bestimmen, was das ist, nicht das Unternehmen oder ein Organisationspsychologe.

    Wir machen das mit Online Assessments transparent, und so mancher wunderte sich darüber, mit welcher Klarheit so ein Online Assessment die eigenen Präferenzen und Werte widerspiegelt. Für die meisten ist das Thema schon als Gedankenspiel unangenehm, weil man sich dann emotionell irgendwie festlegt. – Das will keiner, weil man nicht glaubt, alles ausreichend gleichzeitig würdigen zu können. Stimmt auch, und deshalb gibt es dafür externe Lösungen … Gern mehr im persönlichen Dialog…

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