Leadership – Wenn das innere Trüffelschwein zufriedener wird…

Karin Lohner, Expertin LeadershipWas haben das WESENTliche, Pure Coaching und Essential Leadership gemeinsam und was genau hat damit das „innere Trüffelschwein“ zu tun? Die Expertin für Leadership, Karin Lohner, erklärt wie man als Arbeitnehmer und auch als Führungskraft zufriedener wird, seine Talente findet und wieso ab und zu auf diverse elektronische Gadgets und Zubehör verzichtet werden soll.

1) Der Extremsportler Norman Bücher spricht vom Überwinden des inneren Schweinehundes, um an seine Ziele zu gelangen. Bei Ihnen hingegen ist es das innere Trüffelschwein, das eingesetzt wird, um die wahren Talente in sich und anderen zu entdecken. Wofür steht diese Metapher?

Nun, die beiden können wir nicht voneinander trennen. Allerdings gibt es praktisch eine „zeitliche“ Rangfolge für das Wirken dieser beiden Elemente in uns. Das innere Trüffelschwein ist weit vor dem inneren Schweinehund da. Wir können es letztendlich auch Mut, Zuversicht und Lernbereitschaft nennen. Die Namen für den Schweinehund sind eher Angst, Zweifel und Widerstand. Da hat Norman Bücher natürlich genau den Punkt getroffen – diese Dinge hindern uns daran zu glauben, dass wir Ziele erreichen oder exzellente Leistungen vollbringen können.

2) Ihr neuestes Konzept ist jenes des „Essential Leadership“. Können Sie das Konzept in einigen Sätzen kurz erklären?

Vor 40 Jahren wurde als Slogan „der Mensch in den Mittelpunkt“ gestellt. Folge heute sind mehr ausgebrannte, erschöpfte, demotivierte und depressive Mitarbeiter oder Führungskräfte als je zuvor. Was bleibt da anderes, als sich darüber Gedanken zu machen, dass hier ganz offensichtlich ganz anderes wichtig sein muss, als das bisher der Fall ist. Wir haben die Essenz, die einen Menschen ausmacht, aus dem Business verbannt. Wir haben Emotionen, Gefühle und schon gar die Seele aus dem Unternehmenskontext verbannt, sie mit einem Makel und Non-Grata-Stempel versehen. Das war ein großer Fehler. Dadurch entstand im Laufe er Jahre die Eskalationsstufe der emotionalen Insolvenz, die wir gerade erleben. Wenn uns also das Defizit so klar ist, ist die Lösung nicht weit, sie liegt klar auf der Hand: das Wesen des Menschen, seine Essenz und Einmaligkeit gehört in gutes Leadership an vorderste Stelle integriert. Es gibt Unternehmer, Führungskräfte und gute Leader, die das bereits tun. In diesen Unternehmen findet man lächelnde Gesichter, zufriedenen Mitarbeiter, wenig Fehlleistung, niedrige Krankheitsquote, praktisch kein Burnout und offensichtliche Freude an der Leistung. Letztendlich zeigt sich Essential Leadership im Gesamterfolg und damit in der gesunden Stabilität, der Resilience in Krisenzeiten und natürlich auch durch erheblich reduzierte Kosten und hohe wirtschaftliche Erfolge. Aber Essential Leadership Qualitäten sind nicht angeboren – die meisten müssen sie einfach erlernen und diese Haltung in sich entwickeln.

3) Bei Ihrem Thema Essential Leadership geht es ja darum, das WESENtliche an sich selbst und anderen zu lernen. Wie hoch schätzen sie denn den Prozentsatz jener ein, die ihr eigenes Wesen gar nicht kennen bzw. sich selbst falsch einschätzen?

Wir glauben verschiedene Dinge über uns oder andere, die sich oft als wenig realistisch erweisen, wie wir das in Seminaren mit Eigenbild/Fremdbildübungen erleben. Unser WESEN ist mehr als die Summe unserer (Gehirn)Zellen, unserer Fähigkeiten und unseres Wissen. Das Wesen ist unser USP, die Uniqueness, also Einzigartigkeit. Der Prozentsatz der Menschen, die sich permanent vergleichen, anstatt ihr eigenes Wesen in den Vordergrund zu stellen, ihre Einmaligkeit und Einzigartigkeit ganz individuell zu entwickeln und zur vollen Blüte zu bringen, ist in jedem Fall eines: viel zu hoch. Das führt dazu, dass keine nachhaltige Zufriedenheit im Menschen entstehen kann. Und naturgesetzlich bringen nur in sich zufriedene Menschen Höchstleistung ohne (sich) zu erschöpfen. Deshalb fördert der Essential Leader genau dieses Bewusstsein um die Stärken des eigenen Wesens, der Essenz, die in uns allen vorhanden ist.

4) Welche Methoden empfehlen Sie im Konkreten, damit jemand zu sich und seinen Talenten findet?

Zum einen gilt es, eine ganz genaue Wahrnehmung zu entwickeln. Diese Wahrnehmung muss praktisch frei sein von Glaubenssätzen, Illusionen, Vorurteilen oder ähnlichen einschränkenden Gedankenschleifen. In dem Wort liegt bereits die entscheidende Größe „wahr“.Das zweite wichtige Element ist das „Wollen“. Wir müssen aufhören zu glauben und zu betonen, dass wir etwas nicht „könnten“. Wahr ist, dass wir uns oft das, was dazu notwendig ist, nicht aneignen wollen. Weil wir es uns, meist im Vergleich mit denen, die vermeintlich besser sind, nicht zutrauen. Sobald wir für etwas begeistert sind und „brennen“, werden wir alles dafür tun, dass es „wahr“ wird. Entscheidend dabei: Geduld, Durchhalten und Dranbleiben. Dazu gehört eine gehörige Portion Wollen. Und wir brauchen einfach auch fordernde und fördernde Begleiter auf unserem Weg, die uns ermutigen, zu sein wer wir sind (die Betonung liegt hier auf wer – nicht auf wie!) und genau diese wesentliche Essenz zum Erfolg zu führen. Das sind die Essential Leaders, die mit ihrer erweiterten Menschenkenntnis, ihrer zielgenauen Empathie, der Glaubwürdigkeit, Kraft und Gelassenheit genau dieses Vertrauen generieren, das wir in uns selbst und in dem System, in dem wir uns bewegen, brauchen.

5) Wo liegt die Verbindung zwischen dem WESENtlichen, dem „Essential Leadership“ und Ihrer Art des Coachings, dem „Pure Coaching“? Die drei Adjektive wesentlich, essentiell und pure sind ja sehr ähnlich verankert.

Ja, diese Adjektive sind kein „Zufall“. Das Wesentliche ist ja immer auch das Pure, sprich Reine und die Essenz einer Sache und auch eines Menschen. Es ist das, was bleibt, wenn es nichts mehr im Außen geben würde. Wenn wir das Glück haben oder versuchen, einmal ein paar Tage ohne all die „wichtigen“ Dinge wie Smartphones, Medienberieselung, Meetings, Emails, Aktienkurse und so weiter zu leben, dann stellen wir fest, dass das nicht nur wunderbar funktioniert sondern uns zu einem ganz ungewohnten und wunderbaren Zustand führt. Nämlich der Erkenntnis, dass es nicht nur „ohne“ geht sondern dass wir „ohne“ sogar sehr viel mehr bekommen, erleben und erreichen. Alles Geniale liegt im Puren, im Wesentlichen, in der Essenz. Am Ende ist auch nichts anderes wirklich wichtig. Auch im Pure Coaching arbeite ich nur an den wesentlichen Dingen mit den Menschen auch wieder mit dem Ziel, dass sie zu ihrer Essenz kommen. Das schafft ein unbezahlbares Gut: innere Freiheit und Unabhängigkeit. Das macht uns unabhängig von den vermeintlich wichtigen und unabkömmlichen Dingen. Sie bestimmen nicht mehr über uns, sondern wir über sie. Dann gelingt es uns auch uns zu „enthetzen“.

6) Kann die Metapher des Trüffelschweins auch beim „Essential Leadership“ eingesetzt werden oder ist hier ein anderes Tier nötig?

Das innere Trüffelschwein ist natürlich überall gültig, da es in jedem Menschen vorhanden und mehr oder weniger wirksam ist. Je nachdem, wie viele Essential Leaders wir in unserem Leben und den Unternehmen um uns haben.

Über die Interviewpartner Karin Lohner: Karin Lohner ist Executive Coach, Speakerin, Dozentin, Autorin und Expertin für Essential Leadership Coaching. Für sie ist Erfolg die Folge der Konzentration auf das WESENtliche. Essential Leadership Coaching führt zu Motivation, Aktivierung, Ermutigung und der Erweiterung innerer Grenzen. Als Sprecherin fasziniert sie ihre Zuhörer mit motivierenden, mitreißenden Vorträgen und der dynamischen Aufforderung, die eigenen inneren Stärken zu aktivieren und zur wirklichen Essenz zu kommen.

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