„Investieren Sie in wilde Mitarbeiter” – Humor als Erfolgsstrategie
„Aus einer Mücke einen Elefanten machen“, das ist für manche im Arbeitsleben nicht schwer. Mit dem nötigen Maß an Stress und dem Druck, dem etwa der Vorgesetzte von Investorenseite ausgesetzt ist, ist das an-die-Decke-gehen schnell möglich. Laut Jumi Vogler, Experte für Humor und Wertsteigerung, legen wir uns selbst oft einen Stein in den Weg. Humor ist laut ihr DIE Erfolgsstrategie. Wie das Unternehmensklima und damit der Erfolg und die Wertschätzung durch richtig angewandten und gelebten Humor verbessert werden kann, erzählt sie in einem Interview.
In den letzten Jahren gingen die Trends in Richtung Lachtraining, Work-Life-Balance und Selbstverwirklichung. Nur wer mit seiner Arbeit/Beschäftigung glücklich ist, kann seine Freizeit richtig genießen. Was unterscheidet nun Ihre Theorie „Humor als Erfolgsstrategie“ von allen diesen Konzepten?
Alles. Humor als Erfolgsstrategie braucht eine aktive Entscheidung für Humor als Einstellung, Haltung und Philosophie. Man muss etwas dafür tun. Humor macht nicht einfach glücklich. Und schon gar nicht in diesem diffusen Selbstverwirklichungs-Sinn. Humor basiert auf Ethik, tiefem Menschenverständnis und Fehlertoleranz. Ohne diese Basis ist Humor nicht denkbar. Lachyoga schon. Und Witze auch. Der Bonmot, die humorvolle Kommunikation ist nur die Spitze des Humoreisbergs, darunter, ganz unten liegt eben die Ethik, und wer sie teilt, der erreicht Eigenschaften und Fähigkeiten, die die Voraussetzung für humorvolle Kommunikation sind: Kreativität, Begeisterung, Charisma, Kommunikationstalent, Fantasie, Lösungsfähigkeit, Innovationspotenzial, Überzeugungsfähigkeit, Spaß und Freude, Souveränität und Intelligenz.
Mit Humor kann vieles gelöst werden. Er erzeugt beispielsweise Emotion, Innovation und Motivation. Wo sind aber die Grenzen des Humors zu finden bzw. kann Humor in den falschen Situationen im Arbeitsalltag auch zur Gefahr werden?
Nach der oben genannten Definition, gibt es keine Grenzen für Humor. Empathie, Menschenverständnis und Ethik haben keine Grenze. Sehr wohl aber die humorvolle Kommunikation. Zum Beispiel bei einem Trauerfall. Oder eventuell bei einer Scheidung. Vielleicht aber auch nicht. Bei einer schweren Krankheit. Wobei sich exakt bei mir, ich bin vor 13 Jahren an einer schweren Autoimmunkrankheit erkrankt, der Humor noch stärker entwickelt hat. Humor wird oft als Überlebensstrategie geboren, bevor er dann eine Lebensstrategie wird.
Speziell beim Thema Führung ist der Umgang mit Humor oft nicht so einfach. Ein gewisses Maß an Seriosität muss geboten werden, dass Arbeitnehmer jemanden als kompetent ansehen. Wie sehen Sie die Verbindung zwischen Führung und Humor?
Aha, Sie finden also Humor nicht seriös? Ich nehme an, Sie finden Witze nicht seriös in manchen Situationen. Und da haben Sie Recht. Nehmen wir das Beispiel Schlecker. Das dürfte sich herumgesprochen haben. Die Firmenleitung hat ohne Humor geführt. Ohne Wertschätzung den Mitarbeitern und Kunden, allen Stakeholdern gegenüber. Folge: Demotivation, grottenschlechte Reputation. Kein Wachstum mehr. Hätte die Unternehmensführung mit Humor gearbeitet, wäre das nicht passiert. Aber auch Fehler zuzugeben, gehört zum Humor. Offene Kommunikation. Vor allem, wenn etwas schief geht. Durchaus selbstironisch. Das Märchen, das nur ernst genommen wird, wer ein Pokerface hat und hart zu sich und anderen ist, ist so obsolet wie der Mythos, dass die Sonne um die Erde kreist. Humorvolles Führen bedeutet aber auch mit paradoxen Interventionen zu arbeiten. Also, nicht nur nett zu sein, sondern auch im Führungsalltag seine Meinung deutlich mit Humor kund zu tun. Das verschafft Hochstatus, Respekt und Mitarbeiter können Kritik dennoch annehmen, weil sie nicht abwertend ist, aber trotzdem klar in der Sache. Führen mit Humor kann jeder lernen.
Bei Führung mit Humor steigt die Mitarbeiterzufriedenheit. Glauben Sie, dass man diese Aussage verallgemeinern kann?
Wenn Sie lachen oder lächeln über etwas, fühlen Sie sich dann gut? Klar. Humor motiviert. Menschen lachen gerne. Menschen werden gerne wertgeschätzt. Menschen lassen sehr gerne ihre Begeisterung, ihre Leistungsfähigkeit hervor kitzeln. Der Mensch lacht und leistet gerne. Man muss es ihm nur erlauben. Und das Führungspersonal hat oft Angst: Angst die Mitarbeiter wild zu machen, wenn die kreativ und humorvoll werden. Und Angst davor, nicht ernst genommen zu werden. Das ist Quatsch. Ich sage den Firmen: Investieren Sie in wilde Mitarbeiter! Und: Wer mit Humor arbeitet, befindet sich immer im Hochstatus. Denn der wird so definiert: Wer bewertet, bewilligt und bewegt, der besitzt Hochstatus. Nun, das macht jeder Komiker.
Bleiben wir noch beim Thema Führung: Oft ist die Rede von der so genannten sympathischen Führung, sprich, dass man Mitarbeiter auch auf der emotionalen Ebene erreichen sollte. Wie steht nun Sympathie in Zusammenhang mit Humor? Kann Humor nur funktionieren, wenn zuvor Sympathie gegeben ist oder umgekehrt?
Nein. Aber Sympathie macht alles leichter. Ich lache auch nur ungern mit jemandem, den ich nicht mag. Humor aber bewirkt Attraktivität und Sympathie.
In manchen Situationen im Job gerät Humor einfach an seine Grenzen: Kündigungen von Mitarbeitern, schwerer Krankheitsfall im Unternehmen, Mobbing etc. Wie könnte man hier mit einem Lachtraining bzw. einem Humorseminar ansetzen bzw. macht es überhaupt Sinn?
Wie gesagt: Ich habe gar nichts mit Lachtraining zu tun. Oder Lachyoga. Das wären sicherlich die allerfalschesten Maßnahmen. Sie sehen ja, wie schwer es ist, zu erklären, dass Humor nicht automatisch Lachen bedeutet. Das wäre regelrecht kontraproduktiv. „Hallo, wir verdrängen unsere Probleme und lachen drüber.“ Das ist kompletter Nonsense. Humor ist ja nicht Manipulation. Humor ist ein Wert. Mit offener, ich sagte es schon, humorvoller Kommunikation – Humor liegt zwischen den Parametern Wahrheit und Schmerz – kann man über Kündigungswellen sprechen. Das hätte vielleicht der Insolvenzberater von Schlecker tun sollen. Humor heißt nicht, dass man nicht trauern oder wütend sein darf. Beides kann man humorvoll, ja auch scharf und provokant formulieren. Genau da entsteht die Katharsis. Die heilende Wirkung.
Wie sieht ein so genanntes „Humorworkout“ bei Ihnen aus? Steht mehr der Humor oder das Workout im Vordergrund?
Der Humorworkout ist eine Mischung aus Improtheater, Kreativitätstraining und Humorinterventionen. Es gehört in den Bereich soft skills der Personalentwicklung und fördert ungemein die Kreativität, das synergetische Denken, den Spaß, die Leistungsbereitschaft. Die Trainings „Führen mit Humor“, Teamentwicklung mit Humor“ „Potenzialentwicklung mit Humor für Führungskräfte“, sind mehr auf das betreffende Thema bezogen. Wenn ein Unternehmen sein Innovationspotenzial, die Motivation, Nachhaltigkeit, Reputation, Veränderung und Wachstum optimieren will, steht der Mensch im Mittelpunkt der Unternehmensprozesse. Und damit Humor und Ethik. Humor bedeutet Wachstum. Persönliches und Ökonomisches. Und genau das ist Wertsteigerung. Denn: Erfolg lacht!

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