Demokratische Unternehmen?

Demokratie, BR: www.sxc.huDemokratie in Unternehmen, ein netter Begriff, der in der Praxis aber nur höchst selten angewendet wird. Oft sind es nur einige wenige, welche die Zügel in der Handel halten. Die so genannten Mitarbeiterunternehmen machen zwischen AGs und GmbHs nur einen sehr kleinen Teil der Wirtschaft aus. Aber auch wenn Mitarbeiter nicht direkt Unternehmensanteile besitzen, sollten sie in Entscheidungen miteinbezogen werden. Aber sind demokratische Bestrebungen überhaupt möglich?

“Alle haben zur gleichen Zeit die gleiche Chancen auf dieselben Inhalte zuzugreifen”, diese Vorteile sind mit ein Grund, wieso das Internet oft als das demokratische Medium überhaupt bezeichnet wird. Nicht nur Kunden haben Zugang zu allen möglichen Informationen und können Ihre Kritik unverblümt veröffentlichen, sondern auch Mitarbeiter nehmen sich oft kein Blatt mehr vor den Mund. Mit dem Einzug des WWW könnte man also meinen, dass Unternehmen die Mitarbeiter als wichtiges Humankapital einschätzen und nicht über deren Kopf hinweg entscheiden.

Von repräsentativer Demokratie und Basisdemokratie
Was versteht man im Allgemeinen unter dem Begriff Demokratie? Laut der deutschsprachigen Wikipedia-Plattform bezeichnet der Begriff „das Ideal einer durch die Zustimmung der Mehrheit der Bürger und deren Beteiligung legitimierten Regierungsform, der „Volksherrschaft.“ Demokratie wird vor allem mit Politik in Verbindung gebracht, doch sollten alle Lebensbereiche nach demokratischen Regeln geführt werden. Das umfasst auch die Wirtschaft und in weiterer Folge die Unternehmensführung. Folgende beiden Unterteilungen gibt es zu Demokratie:

  • Repräsentative Demokratie: Es wird von allen ein kleiner Kreis von Entscheidungsträgern gewählt, die bestimmen können. Die Meinung der Mehrheit kommt also nur am Anfang zum Zug.
  • Basisdemokratie: Alle Entscheidungen werden von allen getroffen. Das kann in der Konsensfindung zu Problemen führen, wenn man sich nicht einigen kann.
    Wenn wirtschaftliche Interesse dazwischenspielen…
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In der Praxis ist Demokratie aber fernab von Firmengebäuden und Arbeitsplätzen anzutreffen. Ökonomische Interessen und die Geldgeber entscheiden, in welche Richtung eine Firma geht, in welche Märkte oder Produkte investiert wird und wie etwas ausgeführt wird. Der Ruf nach mehr Mitbestimmung von Seiten der Mitarbeiter, wird nicht selten mit der Antwort der Ineffizienz abgetan.

Es ist natürlich klar, dass Unternehmen nach einer Pyramidenstruktur funktionieren, die oft von Geldgebern bestimmt wird. Ihre Entscheidungen und Anweisungen beeinflussen jeden Einzelnen. Man sollte jedoch seine Angestellten niemals unterschätzen und nicht jeden Versuch ihrerseits sich einzubringen, abwürgen.

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Durch einfache Instrumente kann man erreichen, dass Eigeninitiative, Vorschläge und Meinungen Einzelner berücksichtigt werden:

Ideen, Bildrechte: www.sxc.huIdeenmanagement: Kommt ein Individuum von selbst auf die Entscheidungsträger zu und präsentiert eine Idee, sollte man das nicht abtun. Wichtig ist es dem Mitarbeiter zuzuhören und ihm die Chance zu geben, seine Gedanken zu präsentieren. Lässt sich das Konzept wirklich umsetzen, profitieren beide Seiten enorm davon. Wer ein professionelles Ideenmanagementsystem impliziert, regt Mitarbeiter sogar noch dazu an sich mit der Organisation auseinanderzusetzen und etablierte Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren.

Mitarbeiterbefragungen: Oft sind es nur Kleinigkeiten, die geändert oder beschlossen werden: Ob gratis Obst oder Getränke bevorzugt werden, Trennwände in Grossraumbüros angeschafft werden oder Teams und Sitzordnung neu gruppiert werden. Man will gefragt werden und selbst wenn die eigene Meinung am Ende nicht berücksichtigt wurde, fühlt man sich gehört. In bestimmten Fällen kann man für erlittene Einschnitte in den Arbeitsalltag auch Kompensationen finden.

Gute Kommunikation: Manche Schritte sind nicht zu vermeiden und es ist anzunehmen, dass sie niemanden im Unternehmen ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Wenn etwas unvermeidbar ist, sollte aber zumindest auf die Art der Mitteilung Wert gelegt werden. Eine E-Mail zu schreiben ist sehr einfach, aber auch sehr unpersönlich. Bei heiklen Angelegenheiten ist es immer besser persönliche Gespräche oder Gruppenmeetings einzuberufen. Die Mitarbeiter sollten nämlich auch das Anrecht haben, Fragen zu stellen. „Wieso müssen Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen?“, „Ist es wirklich nötig, dass wir alle Kurzarbeit machen?“ etc.

Ehrlichkeit: Alle Probleme kann man natürlich nicht an die Allgemeinheit kommunizieren, zumindest sollte aber versucht werden, so aufrichtig wie möglich zu sein und Trasparenz zu wahren. Unter dem Vermerk „nicht an Dritte weitergeben“ oder „streng vertraulich“ kann man auch Informationen über Unternehmenserfolg und –entwicklung an Angestellte weitergeben. Je mehr Einzelne über das Unternehmen wissen, desto motivierter sind sie und die Verbundenheit steigt.

Sprechstunden: Ist es allen möglich Ihre Wünsche, Beschwerden etc. zu deponieren und das vor allem auch in einem direkten Gespräch mit der Führungspersönlichkeit, gibt das einem das Gefühl, auch ein wenig mitbestimmen zu können. Durch festgelegte Sprechstunden, die einmal in der Woche oder vielleicht auch nur einmal im Monat durchgeführt werden, können diese spontanen Mitarbeitergespräche besser kontrolliert werden.

In Folge ist nicht nur das Unternehmensklima besser, sondern Mitarbeiter gehen lieber zur Arbeit und ihre Motivation steigt enorm. Die Auswirkungen, die auch nur die kleinsten Bestrebungen in Richtung Demokratie bewirken, sollten somit nicht unterschätzt werden.

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1 Kommentar

  1. Meiner Meinung nach kratzen die genannten Werkzeuge nur oberflächlich an dem, was demokratisch in Unternehmen machbar ist. Ideenmanagement, Mitarbeiterbefragung, Sprechstunden…all das sind Werkzeuge, die “von oben herab” initiiert werden und – schaut man sich speziell die zwei letztgenannten an – eher den Charm eines “So, kleiner Mitarbeiter, Du hast jetzt auch mal eine Audienz und darfst etwas sagen” haben.

    Wirklich demokratische Prozesse in Unternehmen schaffen viele neue Probleme (langsame Entscheidungen, Informationsasymmetrie, etc), lösen aber einige (Mitarbeitermotivation, “Schwarmintelligenz”, Stressabbau => eventuell positive Effekte für die Volkswirtschaft, etc.). Funktionieren kann diese Form der Organisation dank heutiger IT, Stichwort LiquidDemocracy und entsprechende Tools. Es ist jedoch zu vermuten, dass es auch hier Grenzen gibt, die ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl überschritten wird und eine Organisation handlungsunfähig macht.

    Letztlich braucht es meiner Meinung nach mehr Best Practises, mehr Aufmerksamkeit und mehr Menschen, die diesen Gedanken weiterdenken. Denn ich halte ihn für bedenkswert.

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